18. April 1944: Posen

Ihr Lieben!

Schwein muß der Mensch haben. Ich kam an, hinein in den Zug und ab. Dafür hatte ich aber den ganzen Tag wahnsinnige Kopfschmerzen. Unser Spieß hat den Zug nicht mehr bekommen, der kam erst in Pasevalk zu uns. Wir sind über Bad Oldesloe – Lübeck Stettin gefahren. Mir soll keiner etwas über die »kalte Emma« (EBO) sagen! Wenn die nicht so pünktlich gewesen wäre, hätte ich den Zug nicht erreicht. Wir fahren in den Nordabschnitt. – Eben haben wir einen kleinen Kameradschaftsabend mit Preisskat gehabt. Es war die 100ste Fahrt des Zuges. Jeder bekam eine halbe Flasche Cognac und 10 Zigaretten. Die Flasche sollte ausgetrunken werden! Aber da kennen sie mich ja schlecht. Ich habe 2 Schluck aus meiner Flasche getrunken. Die anderen waren langsam blau und ich habe markiert und bin dann mit meiner fast vollen Flasche in der Hosentasche, schwankenden Schrittes, in meinen Wagen gegangen …

Mein Liebes,
soeben bekomme ich deinen Brief vom 18. 03. 44. Das war auch alles … nichts mehr … Ein Brief in 14 Tagen, ein mageres Ergebnis. Keines von meinen lieben Kindern, die ihren Pa so lieb haben – wenn er da ist – hat Zeit für einen Brief. Ach, Ihr wißt ja nicht wie es ist, seit 14 Tagen ohne Nachricht. Keine Zeitung, kein Radio und die Menschen, die Verwundeten, ja, die haben ihr eigenes Leid. Und ich soll und muß helfen und gut zureden. Ich kann Euch sagen, der letzte Transport hatte es in sich. Trotz allem muß man sich wundern, wie tapfer sie ihre Leiden ertragen.

Du darfst nicht den Mut verlieren, was meinst Du, wie mir manchmal zumute ist …

Herzliche Grüße und 1000 K … , auch an meine 4 Faulpelze …

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