Ein paar Worte vorweg

Johann Ingwer Johannsen

Liebe Geschichtsinteressierte,

mit dieser Seite möchte ich an den niederdeutschen Schriftsteller und Theaterspieler Johann Ingwer Johannsen erinnern.

Geboren am 12.8.1900 in Langenhorn/Nordfriesland und in Eiderstedt aufgewachsen. Ältester von 11 Geschwistern. Er war 16 Jahre alt, als die Mutter starb.

1918 noch kurze Zeit Kriegsfreiwilliger. Er kommt über Rendsburg – Berlin nach Altona, das damals noch nicht zu Hamburg gehörte. Hier lernt er seine Frau kennen und lebte dort. Er wurde Vater von 4 Kindern.
Jo.Jo. (wie er genannt wurde) hatte eine Anstellung bei der Berufsfeuerwehr in Altona gefunden.

Durch Hörspiele im Radio, vom Ohnsorg-Theater, entdeckte er sein Talent, selbst niederdeutsche Theaterstücke zu schreiben. Es sollen über 30 Werke gewesen sein. Einige wurden im Richard-Hermes-Verlag in Hamburg verlegt. Auch Märchenspiele in hoch- und plattdeutsch mit Musik und Tanz, die er später selbst inszenierte, entstanden unter seiner Feder. Ebenfalls Gedichte, von denen Jo.Jo. auch einige vertonte. Sein Leitsatz war:

Mien Moderspraak to plegen,
Dat sall mien Opgaav ween in Leven.
So, as mien Moder hett in Slaap mi sung’n
Is hell in’t Hart mi wiederklung’n.
Will weddergeven düssen Klang
As hillig Opgaav, levenslang.

In den 30er Jahren gründete er in Altona mit einer Gruppe von Laienspielern, eine Niederdeutsche Spielschar. Er spielte seine eigenen Stücke, führte Regie und war selbst sein bester Schauspieler und Komödiant. Auf der Bühne war er in seinem Element. Ein Naturtalent und Autodidakt. Er spielte mit seiner Gruppe wo immer er spielen konnte und angefordert wurde. Die »Niederd. Spielbühne Altona« hatte kein eigenes Haus zum Theater- spielen. Die Kulissen waren im damaligen »Haus der Jugend« (in dem heutigen Altonaer Theater) untergebracht, wo auch ab und zu Aufführungen stattfanden. Auch in dem (nicht gerade kleinen) »Theater des Westen« am Schulterblatt, das im Krieg zerstört wurde, fanden Aufführungen statt.

Hin und wieder wurde Jo.Jo. auch zum Rezitieren eingeladen.

Bei einem schweren Bombenangriff auf Hamburg, im Juli 1943, verlor seine Familie Hab und Gut, während Jo.Jo. ganz in der Nähe, auf dem »Haus der Jugend« in der Museumstr., bei einer Flakbatterie Dienst tat. Nur ein kleiner Teil seiner Werke blieb erhalten.

Die Familie mußte nach dieser schrecklichen Nacht die geliebte Stadt verlassen. Man fand später eine Bleibe in einem Ort im Kreis Segeberg/Holstein. Hier bekam seine Familie, wie andere »Butenhamburger«, ein kl., einfaches Holzhaus erstellt.

Anfang 1944 wurde Jo.Jo. in Neumünster zum Sanitäter ausgebildet und kam danach auf einen Lazarettzug. Bei Kriegsende war er noch kurze Zeit in einem prov. Lazarett im Kreis Pinneberg, in Bönningstedt, im Dienst.

1946 erhielt Jo.Jo. von Kiel die Spielerlaubnis für eine neue Bühne. Jo.Jo. konnte wieder Theater spielen.

Niederdeutsche Bühne Ulzburg

Er wollte mit seiner Bühne Freude bereiten und spielte in etwa 20 Ortschaften, hauptsächlich im Kreis Segeberg, regelmäßig. Die Menschen, die den Krieg hinter sich hatten, waren dankbar für eine Abwechslung. Jo.Jo. und seine Mitspieler wurden überall begeistert aufgenommen.

Da seine eigenen Stücke fast alle in der Bombennacht in Hamburg verbrannt waren, wurden jetzt überwiegend fremde Stücke gespielt. Darunter auch »Bahnmeester Dod« von H. Boßdorf, »De Schörtenjäger« von Ivo Braak, »Up Bunjeshoff« von August Lähn, »De Fährkrog« von H. Boßdorf und andere.

Die Aufführungen in der kalten Jahreszeit und die Fahrten mit dem LKW zum Spielort fanden oft unter schwersten Bedingungen statt.

Aber vorher, ab Feb. 1944, fuhr Jo.Jo. 13 Monate als Sanitäter auf einem Lazarettzug kreuz und quer durch Deutschland und angrenzende Länder, die Verwundeten aus den Kriegsgebieten herauszuholen. Dabei hatte er unvorstellbare, deprimierende Erlebnisse, dann wieder faszinierten ihn die herrlichen Landschaften. Das grausige Geschehen des Krieges und die Schönheit der Natur im Wechsel.

Theatermaske

Er war bis dahin noch nicht aus seiner norddeutschen Heimat herausgekommen und litt viel unter Heimweh.

Zum 100. Geburtstag möchte ich noch einmal an Johann Ingwer Johannsen erinnern.

Die Tochter
Marga Ramcke