6. November 1944: Kempen

Liebes,

nun sollst Du erstmal wieder einen Brief von mir haben. Immer hatte ich gehofft, einen Brief von Dir zu bekommen, aber Segelken ist seit 5 Tagen unterwegs. Wir wissen nicht, wo er mit dem Postsack steckt, den er von Berlin holen sollte… Wir haben hier einen Daueralarm. Einige Flieger sind immer über uns. Soeben fliegen unheimliche Massen ein, bis 4oo hatten wir gezählt!

Heute wurde auch ein Verband über Hamburg gemeldet. War es schlimm?

Eben höre ich, daß wir morgen in Düsseldorf und Krefeld Zivil laden. Wenn Du Düsseldorf sehen würdest, zum Weinen! Nur Trümmer! Nur am Bahnhof steht ein großes, schönes Gebäude (Rheinbahn-Haus) … Flieger kommen! … Eben wurden wir von Tieffliegern angegriffen, ist aber Gott sei Dank nichts passiert …

Soeben kommt unser Postholer zur Tür herein! Er ist von einem Angriff in den anderen gefahren …

Die Front ist schon wieder in einer Aufregung! Alles hell erleuchtet! Kilometerweit kann man Zeitung lesen. Es dröhnt und wummert, die Scheiben klirren bei jedem Abschuß. Was meinst, wenn »er« hier mal durchbricht?? Dann aber bis nach dem Krieg »Aufwiedersehen« …

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