25. Dezember 1944: Neuenburg

Jetzt will ich Euch mal meinen Heiligen Abend beschreiben. Bis 16 Uhr haben wir schwer arbeiten müssen, Verpflegung fassen usw. Danach haben wir für die Küche 600 L Wasser schleppen müssen. Der Weg war hin und zurück genau 1 km. Danach habe ich gebadet, mich umgezogen. Um 17 Uhr 30 wurde gegessen.

Es gab Karbonade mit Spargel und Schokoladenpudding. Dann ging jeder wieder in seinen Wagen. Um 19 Uhr war Bescherung.
Jeder hatte auf seinem Platz eine Schale mit Sachen stehen.

Ich hatte
1 Buch, 4711, Creme, Schokolade
2 Päckch. mit Keksen, braune Kuchen
2o Zigaretten, 2 Fl. Wein, 2 Äpfel,
10 Rasierklingen.

Das Buch heißt: »Das kleine Vortragsbuch«. Der Oberstabsarzt hat eine Kriegsweihnachtsgeschichte vorgelesen. »Stille Nacht« haben wir danach gesungen und richtige Kerzen brannten am Tannenbaum. Es war soweit alles schön, aber unsere Gedanken waren in der Heimat, bei Euch. Mein Nebenmann hat mich ein paar Mal angestoßen: Joh., Du träumst ja! Ich war bei Euch.

Wir haben dann unsere Sachen in unsere Wagen gebracht. Es sollte weiter gefeiert werden … wir bekamen noch 1 Fl. Wein und Cognac … ich konnte so nicht weiterfeiern, ein Kamerad gab mir einen Wink und wir gingen in meinen Wagen …

Morgen gehe ich hier in ein Konzert.

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